Hallux valgus schonend behandeln

02.12.2019 - Orthopädie und Traumatologie, Hallux valgus, Operative Methode, Konservative Methode
Die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St.Gallen ist eine der wenigen Kliniken in der Schweiz, die das gesamte Behandlungsspektrum des Bewegungsapparates abdeckt. Zum Leistungsangebot gehört auch die minimalinvasive Behandlung bei einem Hallux valgus – eine gewebeschonende Methode, die es ermöglicht, mit kleinsten Hautschnitten zu operieren.

Keine Fehlstellung am Vorfuss ist so häufig wie der Hallux valgus – die schmerzhafte Vorwölbung des ersten Mittelfussknochens am Fussinnenrand und Abweichung der Grosszehe nach aussen. Gemäss aktuellen Zahlen ist rund ein Viertel aller 18- bis 65-Jähri­gen davon betroffen, bei Personen über 65 Jahren sogar jeder Dritte. Doch wie kommt es zu dieser Fehlstellung?

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen sind laut PD Dr. Andreas Toepfer, Leitender Arzt an der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Trauma­tologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St.Gallen, zahlreich und häufig durch mehrere Faktoren bedingt. Einerseits sind viele Patientinnen und Patienten erblich vorbelastet. Anderer­seits kann eine zu hohe Vorfussbelas­tung, zum Beispiel durch Verkürzung der Achillessehne oder Fehlstellungen des Rückfusses, die Deformität begüns­tigen.

Schmerzende Füsse und «Schuhkonflikt»

Typische Merkmale eines Hallux valgus sind das Überbein an der Innenseite des Grosszehen-Grundgelenks und die Ab­weichung der Grosszehe nach aussen. Neben dem unschönen ästhetischen Aspekt beklagen Betroffene häufig den schmerzhaften Ballen und berichten über einen «Schuhkonflikt». Ohne Be­handlung verbreitert sich dann über die Jahre der Vorfuss, und die Grosszehe verdrängt die Nachbarzehen. Dies und der vorzeitige Verschleiss des Grundge­lenks führen zu zunehmenden Beschwer­den und Bewegungseinschränkungen.

Im fortgeschrittenen Stadium kann die Grosszehe die benachbarten Zehen über- oder unterwandern, es können sich Hammer- oder Krallenzehen bil­den. «Insofern ist der Zeitpunkt für eine Therapie sehr wichtig. Wird die Fehlstellung rechtzeitig diagnostiziert, können wir diese meist mit einer mini­malinvasiven Therapie korrigieren», so PD Dr. Andreas Toepfer.

Nicht-operative und operative Behandlungsmöglichkeiten

Zur Behandlung der Fehlstellung gibt es konservative, das heisst nicht-operative, sowie operative Verfahren. Sind die Beschwerden minimal oder die Fehlstellung nicht weit fortgeschrit­ten, kann eine konservative Therapie diese verlangsamen oder im Idealfall stoppen. Diese beinhaltet orthopädi­sche Hilfsmittel wie eine Hallux-Schie­ne, Zehenspreizer und Einlagen, Deh­nungs- und Kräftigungsübungen und die Verwendung geeigneter Schuhe. Bei fortgeschrittenen Veränderungen geht es jedoch nicht ohne Operation.

Am Kantonsspital St.Gallen können Fehlstellungen dank entsprechender Expertise häufig minimalinvasiv korri­giert werden. Als eine der wenigen Kliniken der Schweiz setzt das Kantonsspital heute schwerpunktmässig auf diese Methode. Dabei braucht es nur kleine Hautschnitte, womit nur wenig Gewebe beschädigt wird und der Patient weniger Schmerzen hat. Zudem bleibt die Beweg­lichkeit des Gelenks, im Vergleich zu her­kömmlichen Verfahren, deutlich besser erhalten.

Nach der Operation

Hallux-Operationen sind risikoarm und verlaufen in der Regel ohne Komplika­tionen. Bei minimalinvasiven Eingriffen kann der Patient das Spital meist am ersten oder zweiten Tag nach der OP verlassen. Danach ist für sechs Wochen ein Verbandschuh mit steifer Sohle er­forderlich. Damit die Korrektur anhält, wird die Zehe mithilfe spezieller Ver­bandstechniken nachbehandelt. Zudem wird eine Schonung für zwei bis drei Wochen empfohlen. Krücken werden meist nur so lange benötigt, bis die Wunde abgeheilt ist.

PD Dr. Andreas Toepfer im Gespräch über Hallux valgus
PD Dr. Andreas Toepfer, Leitender Arzt/Leiter Fuss und Sprunggelenk und Leiter Tumororthopädie an der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates.

Nachgefragt

Herr Dr. Toepfer, beim Thema Hallux ist oft von hohen Schuhen die Rede. Sind sie die Ursache?

Frauen sind zwar deutlich häufiger be­troffen als Männer, aber die Vorstel­lung, ein Hallux entstehe hauptsächlich durch das Tragen von hohen Schuhen, ist überholt. Hohes, enges Schuhwerk kann diesen begünstigen, gilt aber nicht als alleinige Ursache.

Wann raten Sie Ihren Patienten mit Hallux valgus zu einer Operation?

Es gibt zahlreiche Gründe für eine Ope­ration, sodass stets eine individuelle Analyse erforderlich ist. So werden mit der Patientin bzw. mit dem Patienten beispielsweise folgende Fragen be­sprochen: Besteht ein Schuhkonflikt? Können bestimmte Tätigkeiten wie Bergwandern oder Laufsport nur noch eingeschränkt durchgeführt werden? Nimmt die Fehlstellung der Grosszehe – auch schmerzlos – zu? Beginnen sich die Nachbarzehen ebenfalls zu defor­mieren? Bilden sich offene Stellen über dem Überbein oder den Hammerzehen? Treten Schmerzen unter den Zehenbal­len der Kleinzehen auf?

Wie lange sollten sich Patienten nach einer Hallux-OP schonen?

Berufliche Tätigkeiten mit überwiegend stehenden und gehenden Arbeiten sind für ca. 8 Wochen nicht sinnvoll. Sitzen­de Arbeitstätigkeiten sind meist bereits nach 2 Wochen wieder, bei minimalinva­siven Techniken teilweise schon früher möglich.

 

Ihre Ansprechperson

Andreas Toepfer

PD Dr. Andreas Toepfer

Leitender Arzt/Leiter Fuss und Sprunggelenk und Leiter Tumororthopädie (exkl. Wirbelsäule)
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