Hüftgelenksersatz

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Wenn alle konservativen Massnahmen nicht mehr helfen, die Schmerzen weiter bestehen, die Beweglichkeit und das Gehvermögen abnehmen und dadurch die Lebensqualität deutlich herabgesetzt wird, empfehlen wir dem Patienten den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks.

Die Hüftgelenksprothese

Die ehemaligen Chefärzte Prof. M.E. Müller und Prof. B.G. Weber waren massgeblich an der Entwicklung der Kunstgelenke beteiligt. Das erste künstliche Hüftgelenk in der Schweiz wurde im Kantonsspital St.Gallen 1962 eingesetzt. Der Einsatz von Kunstgelenken hat am Kantonsspital St.Gallen gewissermassen Tradition und so werden bei uns heute jährlich über 400 Hüftprothesen und über 200 Knieprothesen eingesetzt. Auf dem Markt existieren die verschiedensten Modelle künstlicher Hüftgelenke. Welches Modell für Sie am besten geeignet ist, hängt vom biologischen Alter, vom Geschlecht, vom Körpergewicht, von der Knochenqualität, der Knochenform und dem Ausmass der Arthrose ab.

Die Hüfttotalprothese setzt sich aus Schaft, Kopf und Pfanne zusammen. Schaft und Pfanne bestehen in der Regel aus Metall (Titan, Stahl oder Chrom-Kobalt-Legierung), der Kopf aus Metall oder Keramik. Die Pfanne besitzt zudem eine Kunststoffeinlage aus hochmolekularem Polyethylen.

Zur Verankerung von Pfanne und Schaft kommen grundsätzlich zwei Möglichkeiten in Frage, zementiert und unzementiert. Die Pfanne ist in der Regel selbstverankernd und wird unzementiert eingebracht. Gelegentlich werden zur Verankerung zusätzlich Schrauben verwendet. Nur in seltenen Fällen wird die Pfanne mit Knochenzement einzementiert.

Der Schaft wird entweder zementfrei fest im Kochen verklemmt oder zementiert. Welche Fixationsmethode des Prothesenschaftes für Sie persönlich die bessere ist, entscheiden wir anhand ihres biologischen Alters und der knöchernen Situation gemäss dem Röntgenbild. Allgemein wird bei Frauen bis 60 und bei Männern bis 65 Jahren ein zementfreier Schaft eingebracht. Dies aufgrund der bei Frauen in der Regel früher einsetzenden Osteoporose. Bei osteoporotischem Knochen wird mit der Zementierung eine höhere Primärstabilität und ein geringeres intraoperatives Frakturrisiko erzielt. Aktuell verwenden wir beim primären Gelenkersatz, wenn wir uns zur Zementierung entscheiden, den Weberschaft. Den Corailschaft, wenn der Schaft ohne Zement im Knochen verankert werden kann, sowie die Fitmorepfanne.

Ein Oberflächenersatz des Hüftgelenkes wird an unserer Klinik nicht durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse dieses Operationsverfahrens sind gemäss den skandinavischen und australischen Prothesenregistern, in denen jedes implantierte Hüftgelenk dokumentiert und verfolgt wird, schlechter als die konventionellen Hüftprothesen mit einer Schaftprothese. Zudem ist die Implantation einer Oberflächenersatzprothese nicht über einen muskelschonenden Zugang möglich.

Liegen besondere anatomische Verhältnisse vor, z.B. bei einer Hüftgelenksdysplasie, oder bei vermindertem knöchernem Prothesenlager, z.B. im Rahmen einer Prothesenwechseloperation, so kann manchmal keine Standardprothese implantiert werden. Ist dies der Fall, dann stehen uns alle auf dem Markt erhältlichen Prothesen zur Verfügung, um das individuelle Problem bestmöglichst zu lösen und in jedem Fall eine optimal stabile und gut funktionierende Hüfttotalprothese zu implantieren.

Mit über 80 Operationen pro Jahr verfügen sind wor eine der Schweizer Kliniken mit der grössten Erfahrung bei Hüftprothesenwechseln.

Metall- oder Zementallergien sind extrem selten. Sollten bei Ihnen Allergien bekannt sein, bitten wir Sie um Mitteilung.

Die Operation

Für die Operation werden die grösstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wichtig ist eine keimfreie, hochsterile Arbeitsweise, damit das Risiko einer Infektion minimiert wird.

Der Eingriff findet in einem Operationssaal mit spezieller Belüftung (laminar flow) statt. Das Operationsteam trägt einen Helm mit steriler Haube, sterile Operationskleidung sowie drei Paar Handschuhe. Die ausgeatmete Luft des Operateurs wird durch das Belüftungssystem kontinuierlich abgesaugt. Dadurch wird verhindert, dass Staubpartikel oder Keime aufgewirbelt werden und in die Wunde gelangen.

Die Operation dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten. Bei der Operation achten wir auf eine muskelschonende Operationstechnik. Die Schonung der Hüftgelenksmuskulatur hat neben der exakten Positionierung von Pfanne und Schaft höchste Priorität. Gewisse so genannte minimalinvasive Operationstechniken (MIS) wurden bei uns am Kantonsspital St.Gallen weiter verfeinert.

Techniken mit kleinen Zugängen gewährleisten allerdings nicht bei allen Patienten das bestmögliche Resultat. Somit muss auch bezüglich des Operationszuganges für jeden Patienten die optimale Technik angewandt werden.

Nach Darstellung des Hüftgelenkes wird der abgenutzte Oberschenkelkopf abgesägt und entfernt. Die Hüftpfanne wird präzise ausgeraspelt, sodass eine passende künstliche Pfanne eingesetzt werden kann. Danach wird der Oberschenkelknochen bearbeitet und der Prothesenschaft in den Röhrenknochen eingesetzt. Auf den Schaft wird der künstliche Kopf aufgesteckt. Danach wird das Gelenk reponiert und das Gelenkspiel geprüft. Abschliessend werden Drainagen (Redons) eingelegt und die Wunde wird schichtweise wieder verschlossen und ein steriler Verband angelegt.

Risiken und Komplikationen eines künstlichen Hüftgelenks

Die Hüftprothesenoperation ist ein Routineeingriff und eine der erfolgreichsten Operationen in der gesamten Medizin, der für Sie mit grösster Wahrscheinlichkeit komplikationslos ablaufen wird. Dennoch birgt jede Operation gewisse Risiken, die von der Operation selbst, der Narkose oder auch von ihrem Herz-Kreislauf ausgehen können.

Thrombose:

Das Entstehen eines Blutgerinsels in den tiefen Beinvenen ist ein Problem, das bei allen grösseren Operationen auftreten kann. Durch eine medikamentöse Prophylaxe mit Blutverdünnern, eine schnelle Mobilisation und andere Massnahmen können die Risiken gesenkt werden. Eine Thrombose kann im ungünstigsten Fall zu einer Lungenembolie führen, nämlich dann, wenn sich das Blutgerinnsel löst und über das Herz in die Lunge gespült wird.

Verletzungen von Blutgefässen und Nerven:

Diese sind durch die medizinischen Fortschritte und die umfangreichen Erfahrungen mit Hüftgelenkoperationen sehr selten. Dennoch können Nerven bei der Operation überdehnt werden. Daraus würde eine Zehen- und Fusslähmung resultieren. Die Erholung kann unterschiedlich lange andauern und ist nicht immer vollständig. Dann müsste eine spezielle Schuheinlage getragen werden.

Hämatom:

Trotz den erwähnten Drainagen kann sich ein Bluterguss (Hämatom) bilden. Begünstigt wird dies durch blutverdünnende Medikamente zur Vorbeugung der Thrombosen. Allenfalls muss in einem solchen Fall die Naht nochmals geöffnet und der Bluterguss entfernt werden.

Infektion:

Zu den gefürchtetsten Risiken beim Kunstgelenk gehört die Infektion. Durch die Gabe von Antibiotika vor und in manchen Fällen auch nach der Operation sowie durch die speziellen keimarmen aseptischen Operationssäle liegt die Infektionsrate bei ca. 1%. Trotz allen Vorsichtsmassnahmen muss 1 Patient auf 100 Patienten mit einer Infektion rechnen. Bakterien können während der Operation über Ihre Haut in die Tiefe gelangen. Eine gesunde und saubere Haut über dem Operationsgebiet ist uns wichtig. Nehmen Sie bitte vor dem Spitaleintritt oder am Abend vor dem Eingriff im Spital eine Dusche und waschen Sie Ihre Haut mit üblicher Seife. Eine Infektion ist für den Patienten sehr unangenehm und hat in der Regel weitere Operationen zur Folge. In gewissen Fällen muss die Hüftprothese entfernt und später wieder eingesetzt werden.

Verkalkungen:

Selten kommt es zu Verkalkungen in der Muskulatur oder Gelenkkapsel. Diese können die durch die Operation erreichte Beweglichkeit im Verlauf wieder einschränken. Die Gabe von gewissen Medikamenten kann diesen Verkalkungen vorbeugen. Wenn ein erhöhtes Risiko für diese Verkalkungen besteht und gleichzeitig diese Medikamente aufgrund einer Unverträglichkeit oder ihrer Nebenwirkungen nicht gegeben werden können, so muss das Operationsgebiet vor der Operation bestrahlt werden.

Luxation:

Beim Einsetzen des Kunstgelenkes wird die Gelenkkapsel eröffnet und dadurch geschwächt. Diese muss sich in den ersten Wochen nach der Operation wieder erholen, bzw. neu bilden. Bis dies geschehen ist, besteht die Möglichkeit der Hüftluxation. Dies ist selten und geschieht meist bei unkontrollierten Bewegungen oder infolge von Stürzen. Der Physiotherapeut, der Arzt und das Pflegepersonal werden Sie genau instruieren und Ihnen zeigen, welche Bewegungen problematisch sind.

Lockerung:

Nach 10 Jahren sind 95–99% der Prothesen noch fest und der Patient ist mit seinem Hüftgelenk zufrieden. Bei 1 – 5 Patienten von 100 Patienten ist möglicherweise eine Prothesenlockerung aufgetreten. Sollte es zu einer frühzeitigen Lockerung der Prothese kommen, wird ein Prothesenwechsel notwendig. Für diesen Fall stehen uns spezielle Kunstgelenke und Operationstechniken zur Verfügung.

Periprothetischer Knochenbruch:

Sollte es durch einen Sturz zu einem Bruch des Knochens im Bereich der Hüftgelenksprothese kommen, kann allenfalls eine Verplattung des Bruchs oder gar ein Prothesenwechsel notwendig sein.

Narkoserisiko:

Viele Patienten haben Angst vor dem Narkoserisiko. Die moderne Anästhesie hat einen sehr hohen Grad an Sicherheit erreicht, ein minimales Restrisiko bleibt jedoch immer bestehen. Ihr Narkosearzt wird Sie im Rahmen der präoperativen Anästhesiesprechstunde ausführlich darüber informieren und mit Ihnen gemeinsam die für Sie beste Narkoseart wählen.

Die Nachbehandlung

In den meisten Fällen darf der Patient bereits am 1. Tag nach der Operation mit Unterstützung aufstehen und das operierte Bein schmerzabhängig voll belasten. In den folgenden Tagen lernt der Patient unter physiotherapeutischer Anleitung rasch selbständig zu gehen und die Alltagstätigkeiten durchzuführen. Wenn der Patient in der Lage ist, selbständig an Gehstöcken Treppen zu steigen, kann er entlassen werden. Dies ist in der Regel am 7. – 10. Tag der Fall. Für 6-8 Wochen sollte er zum Gehen Unterarmgehstöcke verwenden. Für diesen Zeitraum sollte auch unbedingt eine Blutverdünnung zur Thromboseprophylaxe durch geführt werden.

Nach Entlassung wird die weitere Nachbehandlung wie Wundkontrolle und Entfernung des Nahtmaterials durch den Hausarzt oder den Arzt in der Kur- oder Rehaklinik durchgeführt. Wir bestellen den Patienten nach 8 Wochen und 12 Monaten zu einer klinischen und radiologischen Nachkontrolle ein.

Prognose und Langzeitverlauf

Die Lebensdauer einer Hüfttotalprothese liegt bei 15 – 25 Jahren, je nach Knochenqualität und Beanspruchung auch länger. 10 Jahre nach Implantation einer Hüfttotalprothese sind von 100 Prothesen noch 95 bis 99 fest. Nach weiteren 5 Jahren haben noch etwa 85 einen festen Sitz. Selten kann somit ein frühzeitiger Prothesenwechsel notwendig werden, weil sich die Prothesenverankerung im Knochenlager gelockert hat. Um eine Lockerung rechtzeitig zu erkennen, sind vor allem regelmässige Untersuchungen und Röntgenkontrollen erforderlich. Wird ein Wechsel rechtzeitig vorgenommen, sind die Einheilungschancen für das zweite künstliche Hüftgelenk deutlich besser, denn durch eine frühzeitige Operation kann eine Schädigung des Knochens durch die gelockerte Prothese vermieden werden. Die Lockerung ist das grösste Langzeitproblem von künstlichen Gelenken.

Ihre Ansprechpersonen

Karl Grob

Dr. med. Dr. phil. Karl Grob

Stv. Chefarzt / Leiter Hüfte / Consultant für Knieprothetik
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Foto von Dr. Pia Zurmühle

Dr. Pia Zurmühle

Oberärztin mbF / Stv. Leiterin Hüfte
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Michael Badulescu

Dr. Michael Badulescu

Leitender Arzt / Leiter Orthopädie und Traumatologie Rorschach
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Foto von Dieter Weber

Dieter Weber

Leitender Arzt Orthopädie und Traumatologie Flawil
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