Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die Erkrankung äussert sich unter anderem in Bauchschmerzen, blutigen Durchfällen und erhöhter Stuhlfrequenz. Morbus Crohn verläuft phasenweise in Ruhezeiten und akuten Schüben und ist nicht heilbar.

Unsere Erfahrung

Am Kantonsspital St.Gallen werden jährlich rund 1500 Eingriffe im Bereich der Kolorektal und Proktologischen Chirurgie vorgenommen. Die Operation von Morbus Crohn-Patienten ist anspruchsvoll, vielfältig und wird der individuellen Situation des Patienten angepasst. Die Diagnostik und Therapie dieser entzündlichen Erkrankung erfolgt interdisziplinär am Board für entzündliche Darmerkrankungen. Die Bündelung dieses Spezialwissens und der direkte Diskurs in diesen Gremien erlaubt eine effiziente Abstimmung und Planung komplexer Abklärungs-, Therapie- und Nachsorgekonzepte und damit die bestmögliche Behandlung von Morbus Crohn-Patienten.

Zur Qualitätssicherstellung werden die Ergebnisse der Morbus Crohn Eingriffe am Kantonsspital St.Gallen durch unabhängige Fachleute erfasst und mit anderen Spitälern und Kliniken verglichen.

Diagnostik/Therapie

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand einer Darmspiegelung mit einer Probenentnahme gestellt. Dabei werden Entzündungswerte im Blut sowie Leber- und Gallenwegswerte bestimmt. Mittels einer bakteriologischen Stuhluntersuchung und der Bestimmung des sogenannten Calprotectin im Stuhl wird eine Infektion des Magen-Darm-Trakts als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen. Bei akuten Schüben wird eine Computertomographie durchgeführt. Dadurch können Abszesse und Gangbildungen zwischen Darmschlingen oder zwischen Darm und Harnblase (Fistel) nachgewiesen werden. Zur Planung einer Operation kann eine Kernspintomographie nützlich sein, damit Engstellen und vernarbte Darmschlingen (Strikturen) nachgewiesen werden können.

Die Behandlung des Morbus Crohn erfolgt primär medikamentös. Die Medikamente werden dabei durch den Gastroenterologen verordnet. Bei einer Darmspiegelung können zudem gewisse Engstellen erweitert werden.

Der Einsatzbereich der Chirurgie liegt in der Behandlung von komplizierten Krankheitsverläufen, wie zum Beispiel Abszessen, Gangbildungen oder fixierte Engstellen. Der Verlauf der Krankheit ist individuell. Sie ist unheilbar, kann allerdings durch Medikamente positiv beeinflusst werden.

Die volle Erholung nach der Operation dauert je nach durchgeführtem Verfahren und dem Allgemeinzustand des Patienten zwischen 3 Wochen und 3 Monaten.

Therapie

Bei einer Operation des Morbus Crohn wird das kranke Gewebe entfernt. Es wird darauf geachtet, dass nur so viel Gewebe wie nötig entfernt wird. Deshalb werden nur limitierte Darmresektionen (Dünndarm, Dickdarm) vorgenommen und Engstellen, Abszesse und Gangbildungen zum Teil einzeln beseitigt.

Da bei Engstellen im Dickdarm das Risiko zur Krebsentwicklung besteht, werden diese ähnlich wie der Dickdarmkrebs operiert. Dabei wird der verengte Darmabschnitt mit einem Sicherheitsabstand und den dazugehörenden Lymphknoten entfernt. Die beiden Enden der gesunden Darmabschnitte werden zusammengenäht.

In Notsituationen, wenn zum Beispiel eine Darmschlinge geplatzt ist, oder eine schwere Bauchfellentzündung oder Darmentzündung vorliegt, kann ein künstlicher Darmausgang notwendig sein, um die Krankheit zu stabilisieren. Meist wird ein solcher vom Patienten gut vertragen und kann bereits nach 3-6 Monaten zurückverlegt werden. Damit nach der Operation die Wundflüssigkeit gut ablaufen kann, werden während der Operation wenn nötig dünne Schläuche durch die Bauchwand gelegt. Bei Bedarf wird Antibiotika verabreicht.

Das therapeutische und chirurgische Vorgehen wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Die Behandlung erfolgt in enger Absprache mit dem behandelnden Gastroenterologen. Eine spezialisierte chirurgische Sprechstunde sowie ein regelmässiger Austausch zwischen allen Fachdisziplinen gewährleisten die bestmögliche Behandlungsqualität und Betreuung von Morbus Crohn-Patienten.

Geplante Operationen werden häufig mittels Schlüssellochtechnik (Laparoskopie) vorgenommen. Bei Notfalloperationen wird meist ein Bauchlängsschnitt benötigt.

Weitere Informationen

Beim Morbus Crohn treten After- und Darmbeschwerden oft gleichzeitig auf. Typische Beschwerden des Morbus Crohn sind Bauchschmerzen, blutige Durchfälle, eine erhöhte Stuhlfrequenz, sowie ein schmerzhafter Stuhldrang, Gangbildungen und Abszesse um den After. Bei jedem dritten Patienten treten Begleiterscheinungen im Sinne von entzündlichen Gelenkerkrankungen, Augenhautentzündungen oder auch Hautentzündungen auf.

Ein begünstigender Faktor für die Entstehung von Morbus Crohn ist das Rauchen, was auch den Schweregrad der Erkrankung beeinflussen kann.

Die Erkrankung tritt oft erstmals im Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf. Ein weiterer Schub an Neuerkrankungen ist im AHV-Alter zu beobachten.

Die schweizerische Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (http://www.smccv.ch) zählt über 2000 Mitglieder. Sie bietet den betroffenen Personen Unterstützung und einen Erfahrungsaustausch im täglichen Umgang mit den entzündlichen Darmerkrankungen und deren Folgen.