Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf

Parasomnien

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Parasomnien sind unerwünschte Verhaltensauffälligkeiten, die entweder während des Überganges vom Wachzustand in den Schlaf, im Schlaf oder beim Aufwachen aus dem Schlaf auftreten können.

Parasomnien können im REM Schlaf (REM = rapid eye movement) oder im NREM-Schlaf (non –rapid eye movement) auftreten oder während der Übergangsphasen vom und zum Schlaf.

Parasomnien beinhalten abnorme Bewegungen, Verhaltensauffälligkeiten, Emotionen, Träume und Reaktionen des autonomen Nervensystems. Sie gewinnen klinische Bedeutung bei auftretenden Verletzungen (bei den Betroffenen, aber auch Bettpartnern), Störung des Schlafes und unangenehme psychosoziale Effekte.

Unterschieden werden:

NREM-Schlaf-assoziierte Parasomnien

Pavor nocturnus (Nachtangst)

Der Pavor nocturnus tritt aus dem Tiefschlaf auf, gewöhnlich im ersten Drittel der Nacht, d.h. ca 1 Stunde nach dem Einschlafen. Zu Beginn hören die Angehörigen meistens einen panischen lauten Schrei und finden den Betroffenen aufrecht im Bett vor mit weit aufgerissenen Augen. Manchmal folgen Bewegungen, wie gegen die Wand Schlagen oder aus dem Bett Rennen (manchmal kann auch ein Schlafwandeln folgen). Obwohl die Betroffenen wach erscheinen, sind sie schwer erweckbar und haben meistens keine Erinnerung an das nächtliche Geschehen, allenfalls können noch Fragmente erinnert werden. Der Pavor nocturnus tritt häufig bei Kindern zwischen 4-7 Jahren auf, im Erwachsenenalter ist er seltener, aber doch häufiger als angenommen (4-5%). Als Ursache werden Hirnreifungsstörungen diskutiert, da es zu einer Abnahme der Häufigkeit nach dem 4.Lebensjahr kommt. Genetische Einflüsse und Stressoren beeinflussen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Als Therapie kann Stressreduktion und Schlafhygiene das Auftreten beeinflussen.

Schlafwandeln (Somnambulismus)

Wie der Pavor nocturnus tritt Schlafwandeln oder Somnambulismus aus dem Tiefschlaf oder Stadium 2. auf. Häufig ist das Schlafwandeln auch mit dem Pavor nocturnus verbunden (30-50%). Die Aktivitäten sind vielfältig, oft auf das Bett beschränkt oder auch mit Verlassen des Bettes mit automatisierten Bewegungen. Die Augen sind geöffnet, aber auch hier sind die Betroffenen nicht wach und schwer erweckbar und können sich auch später nicht an das Geschehen erinnern. Schlafwandeln ist bei Kindern häufiger mit 1-17% in der Kindheit, am häufigsten zwischen 11. und 12. Lebensjahr. Aber es kommt auch bei Erwachsenen häufiger als angenommen

REM-Schlaf-assoziierte Parasomnien

Albträume

Fast jeder Mensch hat schon einmal einen Albtraum gehabt. Sie treten vorwiegend in der 2. Nachthälfte auf, da sie in den REM-Phasen auftreten und diese in der 2. Nachthälfte länger sind. Während derjenige, der aus dem Pavor nocturnus aufschreckt, sich nicht an das Geschehene erinnert, kann der, der aus dem Albtraum erwacht, sich meist sehr gut an den Traum erinnern und ist häufig wieder rasch voll orientiert. Häufige Inhalte von Albträumen bei Kindern und Jugendlichen sind Verfolgung, Tod oder Verletzung und Fallen ins Bodenlose. Im Gegensatz zum Pavor nocturnus ist die Angstreaktion nicht so stark ausgeprägt, aber die Angst kann nach dem Albtraum noch bestehen bleiben, sodass das Wiedereinschlafen erschwert ist. Kinder sind häufig vor allem zwischen dem 6. bis 10. Lebensjahr betroffen, Erwachsene zu 5%. Therapeutisch kann ein Vorstellungstraining (Imagery Rehearsal Treatment) hilfreich sein.

REM-Schlafverhaltensstörung (RBD)

Bei der RBD kommt es zu einem Ausagieren von Träumen mit ausgestalteten Bewegungen bis zum Verlassen des Bettes. Während die Muskelaktivität im REM-Schlaf normalerweise herabgesetzt ist, findet sich bei der RBD eine vermehrte Aktivität. Dies kann in Schlafableitungen mit einer Messung der Muskelaktivität im Kinn und in Armen und Beinen dargestellt werden. Die Augen sind hier meistens geschlossen. RBDs müssen von NREM-Parasomnien, rhythmischen Bewegungsstörungen und vielen anderen Störungen wie epileptischen Anfällen abgegrenzt werden. Medikamente können auch RBDs verursachen. Ferner gibt es auch eine Gruppe mit REM- +NREM Schlaf- Parasomnien (Overlap Syndrom). Die Prävalenz der RBD liegt bei 0.38-0.5%. Neben idiopathische RBDs können sie (hier vor allem bei Männern im höheren Lebensalter) bei neurodegenerativen Erkrankungen, wie dem Morbus Parkinson gesehen werden. Auch bei der Narkolepsie können RBDs auftreten. Therapeutisch können Medikamente wie Clonazepam eingesetzt werden.

Isolierte wiederkehrende Schlaflähmung

Hierbei können Körper, Arme und Beine zu Beginn des Schlafes (hypnagoge Form) oder beim Aufwachen aus dem Schlaf (hypnopompe Form) für Sekunden bis zu einigen Minuten nicht bewegt werden. Der Kopf kann nicht bewegt und es kann nicht gesprochen werden, Atmung und Bewusstsein sind aber nicht beeinträchtigt. Die Schlaflähmung löst sich von allein auf, oder kann mit sensorischen Stimuli (Berühren, Ansprache) gelöst werden oder mit dem Versuch, sich zu bewegen. Die Episoden verursachen Furcht, bis Angst vor dem Schlaf. Eine andere Ursache, insbesondere eine Narkolepsie muss ausgeschlossen werden. Auslösende Faktoren sind Schlafmangel und irregulärer Schlaf, eine familiäre Neigung ist möglich. Pathophysiologisch kommt es zum Einstreuen von Elementen des REM-Schlafes in den Wachzustand. Die Häufigkeit liegt bei 33% in Allgemeinbevölkerung, häufiger sind Jugendliche zwischen 14-17Jahren betroffen. Die isolierte wiederkehrende Schlaflähmung ist ein harmloses Phänomen.

Andere Parasomnien

„Exploding Head Syndrom"

Wahrnehmung eines lauten Geräusches oder dem Gefühl einer Explosion im Kopf, entweder während des Wach-Schlaf-Überganges oder während eines nächtlichen Erwachens. Der Betroffene wacht sofort nach dem Ereignis auf, oft mit einem Gefühl der Furcht. Das Ereignis ist nicht mit Schmerzen verbunden. Einige können Myoklonien oder Lichtsensationen dabei bemerken. Die Pathophysiologie ist nicht bekannt. Auch die Häufigkeit ist nicht bekannt. Frauen scheinen häufiger betroffen zu sein. Der Verlauf ist gutartig und bei vielen verschwinden die Beschwerden von allein. Exploding Head Syndrom muss von plötzlichen Kopfschmerzsyndromen und epileptischen Anfällen unterschieden werden.

Nächtliches Einnässen (Enuresis)

Das primäre nächtliche Einnässen tritt während der Nacht und mindestens 2/Woche auf, die Kinder müssen älter als 5 Jahre sein und sind niemals 6 Monate lang trocken gewesen. Das sekundäre Einnässen zeigt die gleichen Symptome, aber es tritt, nachdem das Kind schon einmal mindestens 6 Monate trocken war, auf. Die Häufigkeit liegt bei 15-20% der 5-Jährigen, 3xhäufiger sind Jungen betroffen. Eine Enuresis kann bei einer Vielzahl von Krankheiten auftreten, wie Diabetes, Epilepsie und andere neurologische Erkrankungen, Darm oder Blasenfunktionsstörung, OSAS u.a. Die Ursache ist komplex, die Kinder zeigen meistens deutliche Schwierigkeiten, aus dem Schlaf aufzuwachen. Die hohe Arousalschwelle ist vermutlich die wichtigste Ursache der primären Form, während eine Blaseninstabilität/-Überaktivität eher bei der sekundären Form angenommen wird. Im Verlauf zeigt sich eine hohe spontane Erholungsrate von 15% pro Jahr

Schlafbezogene Halluzinationen

Schlafbezogene Halluzinationen sind vorwiegend visuelle Phänomene (die jedoch auch auditorische, taktile oder kinetische Phänomene beinhalten können), die kurz vor dem Einschlafen (hypnagoge Halluzinationen) oder während des Aufwachens (hypnopompe Halluzinationen) am Morgen auftreten. Sie können nicht durch eine andere Schlafstörung wie die Narkolepsie erklärt werden oder durch eine psychische Störung oder Substanzgebrauch. Sie können mit Schlaflähmung assoziiert sein, oder auch mit anderen Parasomnien wie Reden im Schlaf und Schlafwandeln. Unterschieden werden traumähnliche hypnagoge und hypnopompe Halluzinationen und komplexe nächtliche Halluzinationen, die nach plötzlichem Aufwachen während der Nacht auftreten. Die Prävalenz liegt bei 25-37% für hypnagoge Halluzinationen und 7-13% für hypnopompe Halluzinationen, sie treten häufiger bei Jüngeren auf. Pathophysiologisch werden REM-Schlaf Intrusionen in den Wachzustand gesehen.

Isolierte Symptome und Normvarianten

Reden im Schlaf (Somniloquie)

Reden im Schlaf ist tritt mit unterschiedlicher Verständlichkeit während des REM- oder NREM-Schlaf auf. Es kann isoliert auftreten oder mit anderen Parasomnien wie der REM Verhaltensstörung, oder mit Schlaftrunkenheit verbunden sein. Reden im Schlaf wird gewöhnlich vom Bettpartner beobachtet, es wird sehr selten vom Schläfer selbst registriert. Reden im Schlaf wird häufig beobachtet, die Wahrscheinlichkeit im Leben einmal im Schlaf zu reden liegt bei 66% Es ist ein harmloses Phänomen.

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