Editorials

Geschäftsbericht 2017
Das Jahr 2017: Steigende Fallzahlen und sinkende Tarife: Eine höhere Effizienz allein genügt nicht mehr, um auch in Zukunft profitabel zu bleiben. Gefragt sind strukturelle Massnahmen in der Leistungserbringung.

Rückblick

Im Vergleich zu 2016 konnten im 2017 mehr ambulante Besuche verzeichnet werden. Im stationären Bereich wurden gar Rekordfrequenzen erreicht – dies mit gleichem Personalbestand wie im Vorjahr. Und trotzdem: das Kantonsspital St.Gallen sieht sich vor grossen Herausforderungen. Das Gesundheitswesen verändert sich rasant – es gilt, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Nachfolge in drei Kliniken geregelt

Zum Jahresbeginn 2017 übernahm Dr. Dagmar Schmid die Leitung der Klinik für Psychosomatik. Am 1. März 2017 übergab Prof. Dr. Joseph Osterwalder die Leitung der Zentralen Notfallaufnahme an Dr. Robert Sieber. Ebenfalls in den Ruhestand trat Prof. Dr. Thomas Cerny. Seine Nachfolge in der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie übernahm per 1. Mai 2017 Prof. Dr. Christoph Driessen.

Servicequalität und Kundenorientierung

Nebst der medizinischen Versorgung wird in einem Spital die wahrnehmbare Leistung durch zusätzliche Servicequalität sowie grosse Dienstleistungsbereitschaft definiert. Zentral sind dabei die persönliche Kommunikation und der Eindruck beim Patienten. Das Kantonsspital St.Gallen ist bestrebt, entsprechende Massnahmen umzusetzen, um die Patientenbedürfnisse weiter in den Fokus zu rücken.

Ausblick

Die Spezialisierung der medizinischen Leistungserbringung, die demografische Entwicklung und die Anpassungen bei den Tarifen sind zentrale Faktoren, die das Gesundheitswesen verändern. Folglich überprüfen die Spitalverbunde im Kanton St.Gallen gemeinsam das Leistungsangebot. Die Ziele sind: grösstmögliche Synergienutzung sowie eine optimale Gesundheitsversorgung mit Zentrumsmedizin
im Kanton St.Gallen.

Neubauprojekt «come together» auf Kurs

Die Baubewilligung für den Neubau der Häuser 07A, 07B mit Tiefgarage liegt vor. Im zweiten Quartal 2018 starten die Bauarbeiten auf dem Innenareal. Innert Kürze wird die Baustelle in ihrer ganzen Dimension auf dem Areal sichtbar sein. Mit dem modernen Neubau wird eine Infrastruktur geschaffen, die der medizinischen Entwicklung Rechnung trägt, die Betriebseffizienz erhöht und den Patientenkomfort steigert. Gemäss Terminplan sollten sämtliche Bauaktivitäten Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Intensive Zusammenarbeit

Im Rahmen des Projektes «come together» bezieht das Ostschweizer Kinderspital ebenfalls einen Neubau auf dem Areal des Kantonsspitals St.Gallen. Durch die räumliche Nähe lässt sich die bestehende Zusammenarbeit vereinfachen und medizinische sowie betriebliche Synergien können besser genutzt werden. Neben dem Bauprojekt wurde das Programm H2O (Zwei Zentrumsspitäler an einem Ort) lanciert, das die gemeinsamen betrieblichen Projekte koordiniert. Dabei kommen alle Themen der Zusammenarbeit und Synergienutzung zwischen dem Ostschweizer Kinderspital und dem Kantonsspital St.Gallen zum Tragen.

Dank

Solche Herausforderungen lassen sich nur meistern, wenn alle Disziplinen und Geschäftsbereiche eng zusammenarbeiten. Ich danke unseren über 5'500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich für ihre hervorragende Leistung. Ein weiterer Dank geht an die zuweisende Ärzteschaft, unsere Kooperationspartner, sämtliche Spitalverbunde des Kantons St.Gallen und den Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen.

Dr. Daniel Germann

 


 

Dr. Daniel Germann
Direktor und Vorsitzender der Geschäftsleitung

Guido Sutter (Verwaltungsratspräsident)

Megatrends verändern die medizinischen Angebote und damit die Spitallandschaft. Demgemäss passen sich Behandlungen kontinuierlich an. Was früher als unheilbar galt, kann heute oft geheilt oder gelindert werden. Forschungsergebnisse und andere Anstrengungen tragen dazu bei und stimmen für die Zukunft optimistisch – auch in Bezug auf die Lebensqualität. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach medizinischen Leistungen, die aufgrund der Komplexität verschiedenen Spezialisten zugeteilt werden.

Die Zunahme an Wissen und Techniken in der Medizin führt zudem zu einer immer rascheren Spezialisierung.
So ist zum Beispiel die Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St.Gallen mittlerweile in neun verschiedene Teams mit speziellen Fachkompetenzen organisiert. Auch in den anderen Spitalverbunden ist dieser Trend feststellbar. Dazu kommt, dass den Patienten die Qualität unserer Leistungen wichtiger ist als die Nähe zum Wohnort.

Diese Entwicklungen wirken sich auf die Strukturen und Kosten der Spitäler aus. Wir haben uns diesen Herausforderungen zu stellen, mit dem Ziel, dass alle Patienten, die medizinische Unterstützung benötigen, Zugang zu hervorragenden Dienstleistungen haben. Die Qualität der Leistung ist dabei Pflicht – dazu gehören selbstverständlich ein freundlicher Umgang, höchste Servicebereitschaft und ein rascher, unkomplizierter Zugang.

Der Druck steigt jedoch stetig, vor allem bei den Kosten. Mit dem Eingriff in den TARMED-Tarif und der anstehenden Verlagerung von stationär zu ambulant werden unsere Erlöse gesamthaft um zweistellige Millionenbeträge gekürzt. Dabei sind die TARMED-Tarife bei Weitem nicht kostendeckend. Wir werden diese Eingriffe massiv spüren und sie werden uns zwingen, alle Synergiepotenziale zu identifizieren und konsequent auszuschöpfen. Betroffen sind Leistungen und Strukturen.

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitungen haben aufgrund der absehbaren Entwicklung bereits im Herbst 2016 ein Strategieprojekt gestartet und dasselbe im Sommer 2017 durch ein Leistungs- und Strukturentwicklungsprojekt ergänzt. Die ersten Ergebnisse dieses wichtigen Projektes werden im Frühjahr 2018 erwartet.

Aber alles ist relativ: Vor 50 Jahren fand die erste erfolgreiche Herztransplantation statt – der Patient verstarb nach 18 Tagen. Heute lebt die Hälfte der Patienten 20 Jahre oder länger. Diese Entwicklung zeigt uns, was das Gesundheitswesen wert ist.

Unsere Mitarbeitenden leisten Grossartiges und für viele Menschen Einmaliges. Wir sind stolz darauf. Dafür möchte ich allen meinen herzlichsten Dank aussprechen und auch dafür danken, dass ich mehr als fünfzehn Jahre den St.Galler Spitälern dienen durfte.