Spezielle Therapieformen und Behandlungsweisen

Gating

Tumoren im Bereich der Lunge, der Brust und des Oberbauches können der Atembewegung unterliegen. Die atemabhängige („atemgetriggerte“) Gating-Bestrahlung erlaubt es, Planung und Durchführung der Strahlentherapie auf eine besonders geeignete Atemphase zu beschränken (z.B. auf die Zeitintervalle mit tiefer Einatmung). Dadurch bestrahlen wir den Tumor zielgenauer, schonen das gesunde Gewebe aber gleichzeitig. Bei linksseitigen Brust-  und Lungentumoren kann  Gating zu einer besseren Schonung des Herzens beitragen. Wegen der Beschränkung der Bestrahlung auf wenige Phasen der Atmung dauert die Bestrahlung länger. Wir prüfen bei entsprechender Tumorsituation im Rahmen der Therapieplanung, ob eine Bestrahlung mit Gating-Verfahren Vorteile bietet.

VMAT (Volumenmodulierte Strahlentherapie)

Jede Bestrahlungstechnik verfolgt das Ziel, den Bereich des Tumors mit einer homogenen Dosis abzudecken, das anliegende gesunde Gewebe aber möglichst zu schonen. In vielen Fällen kann dieses Ziel durch Anwendung der VMAT-Bestrahlungsplanung (Volumenmodulierte Strahlentherapie) am besten erreicht werden. Für VMAT stehen spezielle Planungsprogramme zur Verfügung (Linearbeschleuniger: „Eclipse“. Tomo-Bestrahlungsgerät: „Tomoplanning“).

Wir wenden das Prinzip der inversen Bestrahlungsplanung an: Der Arzt zeichnet vorgängig die zu bestrahlenden bzw. zu schonenden Strukturen ein. Der Medizinphysiker bzw. Mediziningenieur definiert für verschiedene Strukturen geeignete Dosisvorgaben (englisch: „Constraints“). Das Planungssystem ermittelt schrittweise, mit welchen Feldformen die Vorgaben am besten zu erreichen sind. Schliesslich resultiert eine Bestrahlungstechnik, bei der das Bestrahlungsgerät um den Patienten kreist, während die Feldform kontinuierlich der Lage des Tumors und des angrenzenden gesunden Gewebes angepasst wird. Zur Variation der Feldform dienen 2.5 mm schmale Lamellen, die mehr oder weniger weit in das Strahlenfeld hineingeschoben werden können (MLC: Multilamellen-Kollimator). In der Summe resultiert eine „modulierte“ Dosisintensität,  die unsere Vorgaben maximal erfüllt.

Zweidimensionale Dosimetrie mit Film zur Verifikation eines VMAT Bestrahlungsplanes
Zweidimensionale Dosimetrie mit Film zur Verifikation eines VMAT Bestrahlungsplanes

Die resultierende Dosisverteilung ist sehr individuell auf den Patienten zugeschnitten und wird in jedem einzelnen Fall vor Beginn der Therapie dosimetrisch überprüft. Vor Therapiebeginn wird messtechnisch verifiziert dass die geplante Dosis mit der tatsächlich vom Gerät abgegebene Dosis übereinstimmt. Ein Beispiel einer zweidimensionalen Dosimetrie mit Film zur Verifikation eines Bestrahlungsplanes vor Therapiebeginn ist in der Abbildung zu sehen.

Tomotherapy-Bestrahlungstechnik

Die durch unser Tomo-Bestrahlungsgerät vermittelte Methode der externen Strahlentherapie ist eine spezielle Form der VMAT-Bestrahlungstechnik. V.a. bei komplex geformten, langen Tumoren mit eng anliegenden, strahlenempfindlichen Organen entfaltet sie ihre Vorteile. Ein Nachteil im Vergleich zur Bestrahlung mit unseren Linearbeschleunigern stellt die längere Bestrahlungszeit dar.

Brachytherapie (Afterloading-Bestrahlungstechnik)

Die Funktionsweise unseres Afterloading-Gerätes sei am Beispiel einer gynäkologischen Bestrahlung erklärt: Vor der eigentlichen Bestrahlung setzt die für Sie verantwortliche Ärztin einen „Applikator“ in das Gebiet des Tumors ein. In diesen führt er einen dünnen Schlauch, der mit dem Afterloading-Gerät verbunden wird. Mit Hilfe eines speziellen Programmes berechnet der Medizinphysiker, an welchen Stellen und wie lange die Strahlenquelle im Applikator verweilen muss, damit  Tumorzellen abgetötet werden können. Vor der Bestrahlung verlässt das Personal den Bestrahlungsraum, ist aber über Video und eine Gegensprechanlage mit der Patientin verbunden. Die Bewegung der Strahlenquelle erfolgt Computer-gestützt. Abhängig von der Stärke der Strahlenquelle dauert die Bestrahlung einige wenige Minuten.

Indem die Strahlenquelle sehr tumornahe platziert ist, beschränkt sich die Strahlenwirkung auf den Tumor und dessen unmittelbare Umgebung. Das gesunde Gewebe kann mit dieser „internen“, lokal  wirksamen Therapieform  gut geschont werden.

Die Brachytherapie wenden wir zudem „intraoperativ“, also während einer Operation an, nachdem der Chirurg den Bereich des Tumors operativ zugänglich machte (IORT; intraoperative Radiotherapie). Auch hier profitiert der Patient von der  Schonung des gesunden Gewebes.

Brachytherapie des Prostata-Krebses

Neben der externen Strahlentherapie und der chirurgischen Entfernung der Prostata stellt die minimal-invasive LDR-Brachytherapie (Low Dose Rate; englisch „geringe Dosisrate“) in speziell definierten Krankheitssituationen bei Tumoren der Prostata eine attraktive Anwendung einer internen Strahlentherapie dar.

Mit Hilfe von Hohlnadeln führt der Urologe schwach radioaktive Strahlenquellen (Jod-125 mit einer „Halbwertszeit“ von 60 Tagen) in die Prostata ein. Dabei orientiert er sich an Ultraschallbildern und mittels Durchleuchtung. Die ideale Position der „Seeds“ (englisch: Körnchen; die Strahlenquellen weisen die Form kleiner Reiskörner auf) haben ein Medizinphysiker und ein Radio-Onkologie mit Hilfe des Planungssystems „Brachyvision“ von Varian bestimmt. Der operative Eingriff dauert etwa zwei Stunden. In der Regel kann der Patient das Spital am nächsten Tag verlassen.

Die Seeds geben ihre Energie in Form von Strahlung kontinuierlich über mehrere Monate ab. Da die Bestrahlung „von innen“ (deshalb „brachy“; griechisch: kurz, nah) erfolgt und v.a. lokal wirkt, ist diese Bestrahlungstechnik für das angrenzende Gewebe sehr schonend. Auch nach der wirksamen Therapiephase von etwa einem halben Jahr verbleiben die Seeds in der Prostata.

Stereotaxie-Bestrahlungstechnik

Stereotaktische Bestrahlung ist eine kleinvolumige Hochdosisbestrahlung, die unter höchstem Genauigkeitsanspruch durchgeführt wird. Besonderer Wert wird auf grösstmöglichen Dosisabfall ausserhalb des Therapiegebietes gelegt, um nahe gelegene Risikostrukturen zu schonen.