Die erste Zeit mit Ihrem Kind zu Hause

Der besondere Augenblick ist da. Sie gehen mit Ihrem Kind nach Hause. Zur Unterstützung für die ersten Tage "Daheim" haben wir Ihnen einige wichtige Informationen zu Ernährung, Pflege, Gesundheit und Sicherheit Ihres Kindes zusammengestellt. Lesen Sie dazu auf den folgenden Seiten unserer Webseite.

Ernährung

Wenn Ihnen und Ihrem Kind der Start in die Stillbeziehung gelungen ist, fahren Sie so weiter bie bisher. Es ist empfehlenswert, Ihr Kind - wenn es Hunger zeigt - soviel an der Brutst trinken zu lassen wie es mag. Sollte zu Hause die Milch zurückgehen, wird sich Ihre Kind früher nach der letzten Stillmahlzeit wieder melden. Durch häufiges Stillen (alle 2-3 Stunden) kann die Milchproduktion gesteigert werden. Mit der Zeit werden die Pausen zwischen den Mahlzeiten wieder länger. Haben Sie viel Milch, wird Ihr Kind die Brust nicht leertrinken und sich erst nach einer längeren Pause wieder melden. Dadurch nimmt die Milchproduktion in Ihrer Brust ab. Auf diese Weise passt sich die Milchmenge den Bedürfnissen Ihres Kindes an. "Nachschöppeln" stört diesen Regulationsvorgang und sollte, solange volles Stillen gewünscht und möglich ist, vermieden werden. Es wird empfohlen, die ersten 6 Lebensmonate voll zu stillen. Danach soll mit Beikost begonnen werden. Da das Stillen Ihrem Kind auch weiterhin gesundheitliche und psychologische Vorteile bringt, soll zur altersangepassten Beikost weiter gestillt werden. Dies ist bis zum Alter von 2 Jahren und sogar darüberhinaus möglich - solange es Ihnen und Ihrem Kind Freude bereitet.

Bekommt mein Kind genügend Milch an der Brust?

Wir empfehlen Ihnen, Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten ein- bis zweimal pro Monat bei der Mütterberatung wiegen zu lassen. Die Mütterberaterin wird mit Ihnen auch Fragen zur Entwicklung und Gesundheit Ihres Babys besprechen. Anhand der Urinmenge und der Stuhlausscheidung können Sie selbst abschätzen, ob Ihr Kind genügend trinkt. Vier- bis fünfmal pro Tag schwere, nasse Windeln und 3-6 mal täglich Stuhlgang, sprechen für erfolgreiches Stillen. Wenn Sie beim Stillen Schmerzen, Fragen, Unsicherheiten oder sonstige Probleme haben, wenden Sie sich an die ambulante Stillberatung der Frauenklinik am Kantonsspital St. Gallen.

Ernährung mit der Flasche

Wenn Sie eine handelsübliche Säuglingsmilch verwenden, können Sie Ihr Kind ebenfalls so oft und so viel trinken lassen wie es mag. Die pro Mahlzeit getrunkene Menge kann sehr unterschiedlich sein. Keinesfalls sollten Sie von Ihrem Kind verlangen, dass es seine Flasche jedesmal leertrinkt. Wie beim Stillen sagt Ihnen die Gewichtszunahme Ihres Kindes, ob es genügend Nahrung zu sich nimmt. Zu Ihrer Sicherheit erhalten Sie von uns ein Merkblatt zur Ernährung Ihres Kindes mit handelsüblicher Säuglingsmilch und deren Zubereitung.

Neugeborenen-Pflege

Wickeln

Ihr Kind sollte regelmässig gewickelt werden. Dies verhindert Rötungen im Windelbereich und fördert das Wohlbefinden. Häufig hat das Kind während des Trinkens Stuhlgang, sodass ein anschliessendes Wickeln sinnvoll ist. Voll gestillte Kinder können bei jeder Mahlzeit Stuhlgang haben; eine zeitweilige Grünfärbung ist nicht beunruhigend. Zusätzlich zum Reinigen der Windelgegend soll das Kind ein- bis zweimal wöchentlich gebadet werden. Wenn Ihr Kind das Baden geniesst, kann dies auch häufiger sein. Wichtig ist gutes Trocknen in den Hautfalten. Sofern Ihr Kind intakte Haut hat (keine Rötungen oder offene Stellen), benötigen Sie keine Badezusätze. Sollte die Babyhaut etwas trocken sein, können Sie Ihr Kind mit einem pflanzlichen, unparfümierten Körperöl täglich sanft einreiben. Ist die Haut im Windelbereich intakt, brauchen Sie für die Pflege keine zusätzliche Creme oder Puder. Bei Rötungen verwenden Sie eine Hautschutzcreme. Ohren und Nase können bei Bedarf mit Watte (nicht mit Wattestäbchen - Verletzungsgefahr!) gereinigt werden. Verklebte Äuglein können Sie mit einem sauberen Gazetupfer und frisch ausgestrichener Muttermilch oder mit frischem Leitungswasser von aussen nach innen auswaschen. Die Fingernägel sollten erst geschnitten werden, wenn sie die Fingerkuppen überragen.

Nägel schneiden

Schneiden Sie die Nägel möglichst gerade ab und behandeln Sie die Seitenränder der Nägel (auch an den Zehen) gut mit Öl oder einer fettenden Creme, damit sie geschmeidig bleiben und nicht rissig werden.

Nabelschnurpflege

Solange der Nabelschnurrest noch anhaftet und solange der Nabel noch schmierig ist, soll er ein- bis zweimal täglich mit 70-prozentigem Medizinalalkohol desinfiziert werden. Wenn er sauber und trocken ist, sind keine besonderen Massnahmen mehr nötig. Der noch anhaftende Nabelschnurrest ist kein Grund, Ihr kind nicht zu baden.

Schreien

Schreien ist für Ihr Neugeborenes in den ersten Lebenswochen die einzige Art, sich mitzuteilen. Sei es weil das Baby Hunger, Durst, volle Windeln, Schmerzen hat oder ganz einfach müde ist. Weint Ihr Kind anhaltend und ohne erkennbaren Grund, holen Sie sich frühzeitig Unterstützung bei einer Fachperson.

Sicherheit und Wohlbefinden

Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft tut Ihnen und Ihrem Kind gut. Diesen können Sie von Anfang an machen. Schützen Sie Ihr Neugeborenes aber vor Kälte, Hitze und direkter Sonneneinstrahlung. Kleiden Sie Ihr Kind der Witterung entsprechend. Es sollte warme Füsse und einen warmen Nacken haben, aber nicht schwitzen. Ihr Kind fühlt sich am wohlsten in weichen, elastischen Kleidern aus Naturfasern. Während Autofahrten sichern Sie Ihr Kind in einem geeigneten Babysitz. Bei längeren Fahrten machen Sie regelmässig Pause. Nehmen Sie Ihr Kind aus dem Sitz, um ihm eine andere Körperhaltung zu ermöglichen. Dies entspannt. Vor Flugreisen empfehlen wir Ihnen eine Konsultation bei Ihrem Kinderarzt.

Grundsätzlich möchten wir Ihnen ans Herz legen, Ihr Kind von Anfang an nie unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch zu lassen. Ein Säugling darf nie herunterfallen.

Wann suche ich den Kinderarzt auf?

Hebammen, Mütterberatung und Stillberatung sind ausgezeichnete Anlaufstellen für Ratschläge und Unterstützung in der Betreuung Ihres Kindes. Die nächste Untersuchung beim Kinderarzt oder Hausarzt sollte im Alter von 4 Wochen stattfinden. Zögern Sie nicht, früher den Arzt aufzusuchen, wenn Sie bei Ihrem Kind eine Gesundheitsstörung festtellen ("irgendetwas stimmt nicht"). Insbesondere sollten folgende Zeichen bei einem Säugling unverzüglich zum Arztbesuch führen:

 

  • Hohes Fieber (über 38.5°)
  • schlechtes Trinken
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • wiederholtes Erbrechen
  • Blut im Stuhl
  • Veränderung der Atmung (wie schnelle Atmung oder Geräusche beim Atmen)
  • Hautverfärbungen (Blauverfärbung, Blässe, blaue Flecken, Gelbverfärbung)

Vitamin D

Die Gabe von Vitamin D wird zur Vorbeugung der Rachitis (schlechte Mineralisation und gegebenenfalls Verformung der Knochen, "weiche Knochen") für die Dauer des ersten Lebensjahres in ganz Mitteleuropa empfohlen. Täglich sollten 400 Einheiten Vitamin D zugeführt werden. In der Schweiz stehen folgende Medikamente zur Verfügung: Vi-Dé 3, einmal 4 Tropfen pro Tag oder Oleovit, einmal 1 Tropfen pro Tag. Beginn: Ab der zweiten Lebenswoche für die Dauer der ersten 12 Monate.

Vitamin K

Die Vitamin K-Mangelblutung ist eine zwar seltene, doch für die betroffenen Kinder sehr bedrohliche Situation. Wir haben daher im Spital bereits am 1. und 4. Lebenstag mit einer vorsorglichen Gabe von Vitamin K begonnen, diese sollte im Alter von 4 Wochen beim Kinderarzt nochmals erfolgen. Bitte machen Sie Ihre Hebamme oder Ihren Arzt bei frühzeitigem Austritt aus dem Spital auf die Fortführung der Vitamin K Prophylaxe aufmerksam.

Hüftultraschalluntersuchung

In der Klinik hat die Kinderärztin oder der Kinderarzt die Hüften Ihres Kindes untersucht und sich erkundigt, ob für Ihr Kind ein erhöhtes Risiko für eine Hüftgelenksdysplasie (unreifes Hüftgelenk) vorliegt. Im Falle einer Auffälligkeit oder eines erhöhten Risikos wird von uns veranlasst, dass spätestens im Alter von ca. 4 Wochen eine Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke durchgeführt wird. Falls dann eine ungenügende Ausbildung der Hüftgelenkspfanne festgestellt werden sollte, ist die Behandlung noch einfach, während sie bei spätem Beginn viel schwieriger ist. Aus diesem Grund wird von der Krankenkasse für alle Säuglinge in den ersten 6 Lebenswochen eine Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke bezahlt. Falls Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchten, teilen Sie dies bei der Anmeldung zur ersten ärztlichen Kontrolluntersuchung der Praxisassistentin mit.

Schlafposition

Ein Neugeborenes verschläft mehr als die Hälfte des Tages. Meist meldet es sich nach 3 - 4 Stunden, weil es Hunger hat. Ein eigentlicher Tag-Nacht-Rhythmus beginnt sich erst mit 2 - 3 Monaten zu entwickeln.

Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen auf den Rücken. Am Besten in einen Schlafsack, ohne Duvet. Vermeiden Sie Kissen und zu viele Kuscheltiere auf Kopfhöhe. Die Temperatur im Zimmer sollte etwa 18 Grad (höchstens 20 Grad) betragen. Vermeiden Sie sowohl eine zu kalte, wie eine zu warme Umgebung. In den Wachphasen können Sie Ihr Kind aber vermehrt auf den Bauch legen, da dies seine motorische Entwicklung (Bewegungsentwicklung) fördert.

Achten Sie darauf, dass in der Wohnung nicht geraucht wird. Passivrauchen führt bei Säuglingen vermehrt zu Husten und Anfälligkeit für Infektionen. Lesen Sie dazu auch unten eingefügte Broschüre "Reduzieren Sie das Risiko eines plötzlichen Kindstodes". Das Risiko des plötzlichen Kindstodes konnte durch die Empfehlung, die Rückenlage als alleinige Schlafposition einzuhalten, halbiert werden. Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, zögern Sie nicht, die Pflegefachpersonen oder den Kinderarzt darauf anzusprechen.

Wichtige Kontakte

Bei aktuen, medizinischen Notfällen wenden Sie sich sofort an Ihren Kinderarzt.

Bei Nichterreichbarkeit an die Notfallstation des Ostschweizer Kinderspitals: 071 243 71 12.

Bei "alltäglichen" Fragen melden Sie sich bei

 

  • einer Hebamme in ihrer Nähe
  • der Mütter- und Väterberatungsstellen in Ihrer Nähe
  • Ihrem Kinderarzt

  

 

Kantonsspital St. Gallen

Ambulante Stillberatung:      071 494 20 83

Wochenbettstation:              071 494 20 64 / 63

Neonatologie:                       071 494 20 70