Schilddrüse

Krankhafte Schilddrüsenvergrösserungen werden im Volksmund auch "Kröpfe" genannt. In der Tat waren im Alpenland Schweiz auf Grund des Jodmangels Kröpfe bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts weit verbreitet. So wurden z.B. von 1875 – 1886 in der Schweiz 7.2% der Stellungspflichtigen wegen eines Kropfes von der Armee zurückgewiesen. 1922 war es der Kanton Appenzell Ausserrhoden, welcher als erster das jodierte Salz einführte. In der Folge schlossen sich die anderen Kantone an. Seither ist der Jodmangelkropf in der Schweiz (im Gegensatz zu Deutschland) auf Grund dieser einfachen präventivmedizinischen Massnahme eliminiert.

Trotz dieses Erfolges sind ärztliche Konsultationen wegen Schilddrüsenerkrankungen oder krankhaften Schilddrüsenvergrösserungen immer noch häufig. Ursächlich stehen Knotenkröpfe, Überfunktionen der Schilddrüse und bösartige Schilddrüsenerkrankungen heutzutage im Vordergrund. An Letzterem erkranken in der Schweiz rund 300 Menschen pro Jahr.

Nicht selten bedarf es zur Diagnosestellung und Therapie dieser Erkrankungen einer chirurgischen Behandlung.
Auf den folgenden Seiten können Sie sich über die Erkrankungen der Schilddrüse, deren Abklärungen sowie Therapieformen informieren.

Unsere Erfahrung

Qualitätsstatistik Schilddrüsenchirurgie
Bezogen auf die Jahre:                                  2010-2016
Schilddrüsenoperationen insgesamt:                     1579
davon vollständige Schilddrüsenentfernung:          591

Komplikationsraten

Stimmlippenlähmung

  vorübergehend

Anzahl betroffene Patienten

53

Anzahl betroffene Nerven

53

% bezogen auf alle Resektionen (n= 1579)

3.3%

Stimmlippenlähmung

  permanent

 

Anzahl betroffene Patienten

3

Anzahl betroffene Nerven

3

% bezogen auf alle Resektionen (n= 1579)

0.18%

Nebenschilddrüseninsuffizienz

  vorübergehend

Anzahl Patienten

123

% bezogen auf totale Thyreoidektomien (n=591)

20.8%

Nebenschilddrüseninsuffizienz

  permanent

Anzahl Patienten

3

% bezogen auf totale Thyreoidektomien (n=591)

0.5%

Andere Komplikationen

Nachblutungen mit Revision

16

 

% bezogen auf alle Resektionen (n= 1579)

1.0%

 

Wundinfekt

9

 

% bezogen auf alle Resektionen (n= 1579)

0.5%

 

Schilddrüsenoperationen Klinik für Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen
Schilddrüsenoperationen Klinik für Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen

Diagnostik/Therapie

Diagnostik

Patientengespräch

Erster Baustein der Diagnostik ist die Krankheitsvorgeschichte (Anamnese). Der Patient berichtet dem Arzt über die vorliegenden Beschwerden und die ihm aufgefallenen Beschwerden. Der Arzt wird durch gezielte Fragen die Ausführungen des Patienten komplettieren. Mittels der Anamnese lassen sich bereits sehr viele wichtige Hinweise bezüglich Schilddrüsenfunktion und Art der Erkrankung erfassen.

Körperliche Untersuchung

Nebst einer allgemeinen körperlichen Untersuchung wird der Hals inspiziert und die Schilddrüse abgetastet (Palpation). Dabei wird die Schilddrüse bezüglich Grösse, Beschaffenheit, Schmerzhaftigkeit und Verschieblichkeit zu den umgebenden Strukturen untersucht.

Blutuntersuchung

Die Blutuntersuchung dient dazu, die Schilddrüsenfunktion genau zu erfassen. Dazu werden die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone (T3, T4) sowie des Hormons, welches die Schilddrüsenaktivität steuert (TSH), gemessen und mit Normwerten verglichen. In der Regel genügt eine einmalige Entnahme von ca. 10 ml Blut. Bei Verdacht auf eine Basedow-Erkrankung wird nach Schilddrüsen-Antikörpern (TRAK und andere) gesucht.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse


Bei dieser Untersuchungstechnik macht man sich die Tatsache zu Nutze, dass unterschiedliche Körpergewebe Schall unterschiedlich leiten und reflektieren. Mit dem aufgenommen Echo lässt sich ein Bild des beschallten Körperteils erstellen. Der Ultraschall hat sich als Standarduntersuchung der Schilddrüsenmorphologie etabliert. Mit dessen Hilfe lässt sich die Schilddrüsenausdehnung ausmessen und das Schilddrüsenvolumen berechnen. Gewebeveränderungen wie Knoten oder Zysten können festgestellt und örtlich zugeordnet werden.

Schildddrüsenszintigraphie

Mit der Schilddrüsenszintigraphie wird von der Schilddrüse  eine funktionelle Abbildung geschaffen. Das heisst, dass die Schilddrüsenareale entsprechend ihrer Funktion (Unter-, Über- oder Normalfunktion) abgebildet werden. Die Untersuchung wird heute meistens noch zur Abklärung autonomer Schilddrüsen (Schilddrüsen mit Überfunktion, welche sich einer Regulierung durch die Regelkreise entziehen) eingesetzt. Vor dem Einsatz von Radio Jod zur Therapie von Schilddrüsenerkrankungen ist die Untersuchung obligatorisch. Ausserdem wird die Schilddrüsenszintigraphie in der Nachbehandlung von Schilddrüsenkrebspatienten auf der Suche nach Ablegern in regelmässigen Abständen eingesetzt.

Bei der Durchführung einer Szintigraphie wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz injiziert, welche von den Schilddrüsenzellen entsprechend ihrer Funktion aufgenommen wird. Für die Dauer der Untersuchung strahlen die verschiedenen Schilddrüsenanteile entsprechend ihrer Aktivität radioaktiv. Das Radioaktivitätsmuster der Schilddrüse wird von empfindlichen Strahlenkameras aufgenommen und zu einem Bild verarbeitet.

Feinnadelpunktion


Kann auf Grund der Voruntersuchungen bei einem Kropf ein Schilddrüsenkrebs als Ursache des Kropfes nicht ausgeschlossen werden, wird eine Feinnadelpunktion des veränderten Schilddrüsenareals durchgeführt. Dabei wird eine dünne Nadel durch die Haut in den zu untersuchenden Knoten eingestochen. Zur Verbesserung der Treffsicherheit kann dies auch unter Ultraschallkontrolle erfolgen. Über die Nadel werden Zellen aus dem Knoten gewonnen, welche durch spezialisierte Ärzte unter dem Mikroskop untersucht werden. Oft  lässt sich damit die Gut- oder Bösartigkeit eines Schilddrüsenknotens ermitteln.

Schilddrüsenoperationen werden unter ständiger Kontrolle der Stimmbandnervenfunktion durchgeführt, um eine Verletzung derselben zu verhindern.

Therapie

Der einfache Kropf

Ab einer relevanten Grösse muss den Patienten bei fehlenden Behandlungsalternativen zur Therapie eines Knotenkropfes eine Operation empfohlen werden. Ziel der Operation ist die Entfernung sämtlichen krankhaften Schilddrüsengewebes.

Der Kropf mit überschiessender Hormonproduktion

Mit Medikamenten, welche die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen, lassen sich die Symptome der Überfunktion meistens beherrschen. Leider kann die Schilddrüsenvergrösserung, also der Kropf damit nicht therapiert werden.

Radioaktives Jod (131J) wird wie normales Jod im Körper praktisch ausschliesslich durch aktive Schilddrüsendrüsenzellen aufgenommen. In den Bereichen autonomer Überproduktion kommt es zu einer vermehrten Anreicherung von radioaktivem Jod. Durch die nur Millimeter weit reichende Strahlung, werden die Schilddrüsenknoten, die für die Überfunktion verantwortlich sind, zerstört. Von Seiten der Strahlenbelastung ist die Radiojodtherapie unbedenklich und sicher. Die Radiojodbehandlung eignet sich zur Therapie eines Kropfes, wenn lediglich ein einzelner Knoten eine Autonomie aufweist.

Bei mehreren autonomen Knoten und grösseren Kröpfen ist die chirurgische Behandlung die Therapie der Wahl. Die Operation hat zum Ziel, sämtliches krankhaftes Schilddrüsengewebe zu entfernen und damit ein Neuauftreten eines Kropfes zu verhindern.


Schilddrüsenüberfunktion bei Autoimmunerkrankung – die Basedow’sche Krankheit

Mit Medikamenten, welche die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen,  lässt sich die Symptomatologie  - wie bereits erwähnt - meistens in den Griff bekommen. Leider kann mit dieser medikamentösen Therapie alleine nur in 50% der Fälle eine anhaltende Heilung erreicht werden. Für eine definitive Heilung bedarf es deshalb auch bei der Basedow-Erkrankung oft einer Operation oder einer Radiojodbehandlung.

Die Radiojodbehandlung eignet sich vor allem zur Behandlung der Basedow’Erkrankung, wenn die Schilddrüse noch nicht zu sehr vergrössert ist. Von Seiten der Strahlenbelastung ist die Radiojodtherapie unbedenklich und sicher. Im Falle von Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit darf aber zum Schutze des Kindes keine Radiojodtherapie durchgeführt werden.

Bei schweren Schilddrüsenüberfunktionen, relevanten Schilddrüsenvergrösserungen, Kinderwunsch, oder Augenmitbeteiligung wird dem Patienten eine chirurgische Intervention empfohlen. Die Operation hat zum Ziel, die Schilddrüse bis auf einen kleinen Rest vollständig zu entfernen.

Der Schilddrüsenkrebs

In jedem Fall eines gut differenzierten Schilddrüsenkarzinoms stellt die Operation den ersten Behandlungsschritt dar. Dabei wird die Schilddrüse radikal entfernt. Zusätzlich werden in der Regel die um die Schilddrüse gelegenen Lymphknoten  ausgeräumt.  Bei den meisten Karzinomen wird nach der radikalen Entfernung der Schilddrüse eine Radiojodtherapie ergänzt. Diese hat zum Ziele, Metastasen des Karzinoms zu zerstören.

Strahlentherapie und Chemotherapie  gelangen in der Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen kaum zum Einsatz.

Weitere Informationen

In welcher Art können Nebenschilddrüsen Entstehung?

Bis weit in unser Jahrhundert waren Kröpfe (=krankhaft vergrösserte Schilddrüsen) in vielen Regionen der Schweiz häufig zu sehen. Der Grund für die Entstehung dieser Kröpfe lag in der Jod Armut unseres Bodens und damit unserer Nahrung. Den Mangel an dem für die Produktion von Schilddrüsenhormonen absolut notwendigen Jods versucht der Körper durch eine Vergrösserung der Schilddrüse wettzumachen. Durch die Zufuhr von Jod in das Speisesalz ist in der Schweiz der Jodmangel als Ursache für die Entstehung eines Kropfes nahezu eliminiert.

Seltener kommt es auch heutzutage bei normaler Jodzufuhr zu einer krankhaften, gutartigen Schilddrüsenvergrösserung. Diese entsteht durch Schilddrüsenzellfamilien, welche sich durch die üblichen Regelkreise in ihrem Wachstum nicht mehr steuern lassen und sich gewissermassen "verselbstständigt" haben. Es ist typisch für diese Kröpfe, dass sie sehr langsam wachsen und in ihrem Charakter gutartig sind.

Symptome

Die Vergrösserung der Schilddrüse kann Beschwerden verursachen, welche durch örtliche Verdrängung und Druck bedingt sind:

  • Grössenzunahme des Halses
  • Klossgefühl, Enge Gefühl im Halsbereich
  • Schluck- oder Atembeschwerden

Der Kropf mit überschiessender Hormonproduktion
Entstehung:

Verantwortlich für die Entstehung von Knotenkröpfen mit einer überschiessenden Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen sind Schilddrüsenzellfamilien, welche sich bezüglich Zellvermehrung und Hormonausschüttung nicht mehr an die normalen Regelkreise halten. Diese Zellen sind gewissermassen auch in ihrer Funktion (Hormonproduktion) „autonom“ geworden, weshalb man auch von einer Schilddrüsen-Autonomie spricht.

Symptome:

Typischer Knotenkropf

Bei dieser Erkrankungsform können sowohl Beschwerden der Schilddrüsenvergrösserung (s. unter 'Der einfache Kropf') wie auch der Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Letztere verursacht in allen Körperzellen bzw. Organsystemen eine "überschiessende" Leistung, was sich in folgenden Symptomen äussern kann:

  • Gewichtsverlust
  • Herzjagen / Herzstolpern  (Herzrhythmusstörungen)
  • Schlafstörungen
  • Nervosität / Reizbarkeit
  • Vermehrtes Schwitzen (Wärmeintoleranz)
  • Durchfall
  • Heisshunger
  • Überaktivität

Schilddrüsenüberfunktion durch Autoimmunerkrankung – die Basedow’sche Krankheit
Entstehung:

Ähnlich wie beim autonomen Knotenkropf kommt es bei der Basedow’schen Erkrankung zu einer Hormonüberproduktion mit den entsprechenden Symptomen. Verantwortlich für die Entstehung der Krankheit sind Autoantikörper (Abwehreiweisse, welche vom Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Substanzen gebildet werden). Diese Autoantikörper verhalten sich im Falle der Basedow’schen Erkrankung wie das von der Hirnanhangsdrüse gebildete TSH (Schilddrüse-stimulierendes Hormon). Sie setzten sich auf TSH-Rezeptoren der Oberfläche von Schilddrüsenzellen und stimulieren wie das TSH die Hormonproduktion der Zelle. Sie werden TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) genannt. Da durch diese Autoantikörper alle Schilddrüsenzellen angeregt werden, kommt es nicht zu einer knotigen, sondern zu einer gesamtheitlichen Vergrösserung der Schilddrüse. Die Erkrankung wird nach ihrem Erstbeschreiber, Karl Adolf von Basedow (1799 – 1884) benannt. Von der Krankheit sind mehr Frauen als Männer betroffen (Verhältnis 7 : 1).

Symptome:

Bei der Basedow’schen Erkrankung treten die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion und im unterschiedlichem Ausmasse die Symptome der Schilddrüsenvergrösserung auf (s. oben).  Zusätzlich finden sich bei 30–60% der Basedow-Patienten typische Veränderungen des Gewebes in den Augenhöhlen, welche zu folgenden Symptomen führen können:

  • Lidschwellung
  • Reizungen der Bindehaut
  • Lichtempfindlichkeit
  • Hervortreten der Augäpfel

Der Schilddrüsenkrebs
Entstehung:

Bösartige Schilddrüsentumoren entstehen durch das ungebremste Wachstum eines Schilddrüsenzellstammes. Im Gegensatz zu den gutartigen Wucherungen wie zum Beispiel beim Knotenkropf zeichnet sich das Wachstum bösartiger Tumoren durch das Einwachsen in Nachbarorgane aus. Zusätzlich haben diese bösartige Geschwüre (Karzinome) die Eigenschaft durch Verschleppung von Zellen in Lymphbahnen oder im Blutstrom Zweitgeschwüre (auch Ableger oder Metastasen genannt) zu bilden.

Nicht alle Schilddrüsenkarzinome sind in gleichem Masse bösartig. Entsprechend dem Zellbild unterscheidet man gut differenzierte und schlecht differenzierte Karzinome. Die gut differenzierten Karzinome zeigen ein relativ langsames Tumorwachstum und sind im Allgemeinen sehr gut behandelbar und haben darum eine sehr gute Prognose. Glücklicherweise sind die schlecht differenzierten Tumoren ausserordentlich selten.

Symptome:

Ein schnell wachsender Schilddrüsenknoten ist das typische Zeichen des Schilddrüsenkarzinoms. Mit zunehmendem Wachstum können durch Verdrängung und direkten Befall der Nachbarorgane die typischen Beschwerden des Kropfes zum Symptombild hinzutreten.

  • Grössenzunahme des Halses
  • Klossgefühl, Enge Gefühl im Halsbereich
  • Schluck- oder Atembeschwerden
  • Heiserkeit