Lebertumore / Lebermetastasen

In der Leber kann es zu verschiedenen gut- und bösartigen Veränderungen kommen. Die Leber ist das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels. Es ist zudem die grösste Drüse im menschlichen Körper. Nebst der Produktion lebenswichtiger Eiweissstoffe ist eine weitere wichtige Aufgabe die Verwertung von Nahrungsbestandteilen sowie die Gallenproduktion.

Unsere Erfahrung

Am Kantonsspital St. Gallen werden jährlich rund 200 Eingriffe im Bereich der hepatobiliären und pankreatischen Chirurgie durchgeführt.

Diagnostik/Therapie

Diagnostik

Bildgebung

Die Diagnostik von Lebertumoren geschieht oft in bildgebenden Untersuchungsverfahren. Meist wird zuerst ein Ultraschall gemacht, um die Raumforderung in der Leber nachzuweisen. Mittels einer Schnittbildgebung (Computertomographie) oder einer Magnetresonanztherapie (MRT) können die Anzahl und die Grösse bestimmt und die Tumorherde lokalisiert werden.

Zudem ermöglicht das bildgebende Verfahren Einsicht in die Leberanatomie (Verlauf der Lebergefässe und Gallengänge) und ergibt damit wichtige Informationen zur Planung der Operation.

Blutuntersuchung

Laborchemische Untersuchungen dienen vor allem zur Einschätzung der Leberfunktion. Spezifische Marker existieren bislang nur für bösartige Lebertumore.

Leberfunktionstest (LiMAx-Test)

Zur exakten Beurteilung der Leberfunktion wendet die Klinik für Chirurgie am Kantonsspital St.Gallen den LiMAx-Test an. Die Patienten erhalten die Substanz Methacetin gespritzt – ein harmloses Molekül, das von der Leber schnell zu Paracetamol und CO2 abgebaut wird. Die ausgeatmete Luft wird über eine Maske gesammelt und in einem Gerät analysiert. Mit Hilfe eines Infrarot-Lasers kann die Konzentration des ausgeatmeten Kohlendioxid (CO2) genau gemessen und dadurch eingeschätzt werden, wie leistungsstark die Leber noch ist.

Am Kantonsspital St.Gallen wird der LiMAx-Test in Kombination mit einer CT-gestützte Lebervolumetrie vor jeder grossen Leberresektion durchgeführt. Auch bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion wird diese routinemässig eingesetzt. Die LiMAx-Messung kann bei jedem Patienten durchgeführt werden. Sie ermöglicht eine optimale Operationsplanung und dient zur Risikominimierung.

Therapie

Lokale Behandlungsmöglichkeiten

Auch wenn die Erkrankung auf die Leber beschränkt ist, besteht die einzige Möglichkeit zur Heilung von Leberzellkarzinomen oder Lebermetastasen in einer chirurgischen Entfernung oder der Tumorzerstörung durch Hitze (Radiofrequenzablation). Die lokalen Behandlungsvoraussetzungen und Behandlungsmöglichkeiten beider Erkrankungen sind ähnlich. Durch Einschränkungen der Leberfunktion aufgrund einer Grunderkrankung (z.B. Leberzirrhose) ist es möglich, dass beim primären Lebertumor (HCC) keine lokale Behandlung möglich ist. In machen Fällen kann eine Lebertransplantation sinnvoll sein.

Wichtigste Voraussetzungen für eine erfolgreiche lokale Behandlung sind eine gute Abklärung der Tumorart und des Stadiums. Die interdisziplinäre Absprache nimmt am Kantonsspital St.Gallen eine zentrale Rolle ein. Zur Besprechung der optimalen Behandlung von Krebspatienten kommen die Spezialisten aus den beteiligten Fachrichtungen an sogenannten Tumorboards zusammen und beraten jeden onkologischen Fall einzeln. Die Bündelung dieses Spezialwissens und der direkte Diskurs in diesen Gremien erlaubt eine effiziente Abstimmung und Planung komplexer Abklärungs-, Therapie- und Nachsorgekonzepte.

Klassische Chirurgie

Nach wie vor am häufigsten angewandt in der lokalen Behandlung von Lebertumoren und Metastasen ist die klassische Chirurgie. Bösartige Tumore werden inklusive des rund um den Tumor definierten Sicherheitsabstandes entfernt. Je nach Lokalisation des Tumors ist dazu eine keilförmige Entfernung von Lebergewebe, oder eine Segmententfernung entsprechend dem segmentalen Aufbau der Leber notwendig. Auch die Entfernung mehrerer Segmente bis hin zu mehr als der Hälfte des vorhandenen Lebergewebes (erweiterte Hemihepatektomie) kann notwendig sein.

Bei kleineren und anatomisch günstig gelegenen Volumenzunahmen der Leber wird die Leberesektion am Kantonsspital zunehmend St.Gallen laparoskopisch vorgenommen. 

Radiofrequenzablation (RFA)
Abb. 1: Rechter und linker Leberlappen mit den acht farbig markierten Segmenten. Ein kleiner Tumor ist orange (Pfeil) mit entsprechendem Sicherheitsabstand (gelb) eingefärbt.

Radiofrequenzablation (RFA)

Das bösartige Gewebe kann auch gezielt durch Hitze zerstört werden. Weltweit am häufigsten wird dazu, wie auch am Kantonsspital St.Gallen, die Radiofrequenzablation (RFA) eingesetzt. Eine Nadel wird unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle in den Tumor vorgeschoben. Die exakte Lage der Nadel ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Beste Resultate werden bei Einführen der Nadel an der freiliegenden Leber, respektive bei geöffnetem Bauch, erzielt. Durch den hochfrequenten Wechselstrom wird das Tumorgewebe erhitzt und zerstört. Diese Methode kann auch angewendet werden, wenn in beiden Leberhälften Tumore gefunden wurden. Bei Wiederauftreten von Metastasen kann diese Behandlungsform wiederholt werden. Nicht selten ist auch eine Kombination von Resektion (Entfernung) und Radiofrequenzablation sinnvoll. Die Kombinationsmöglichkeiten können durch eine vorausgehende oder anschliessende Chemotherapie oder durch die interventionelle Radiologie zusätzlich erweitert werden.

Radiofrequenzablation (RFA)
Abb. 2: Radiofrequenzablation eines Tumors im rechten Leberlappen

 

Weitere Informationen

Gutartige Lebertumore

Bei gutartigen Veränderungen ist in der Regel nur bei einem Wachstum oder bei Beschwerden eine chirurgische Behandlung notwendig. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Hämangiome, fokal noduläre Hyperplasien, Leberadenome und grosse Leberzysten. Weiter können auch parasitäre Erkrankungen (Fuchs-/Hundebandwurm) eine Indikation zur Operation darstellen. Je nach Lokalisierung und Grösse des Tumors kann der chirurgische Eingriff mittels laparoskopischer Technik durchgeführt werden.

Bösartige Lebertumore

Lebermetastasen entwickeln sich meist in einer gesunden Leber. Diese regeneriert sich meist sehr gut, weshalb bei einer chirurgischen Behandlung bis zu 75% des Lebergewebes entfernt werden können. Die Lebermetastasen sind jedoch bei zahlreichen Tumoren Zeichen eines generalisierten, fortgeschrittenen Leidens. In diesen Fällen bietet eine lokale Behandlung der Lebermetastasen keine Verbesserung.

Bei Metastasen eines Dick- und Enddarmkrebses, aber auch bei Metastasen anderen Ursprungs, können durch ausgedehnte oder mehrzeitige Leberoperationen sehr gute Behandlungserfolge erzielt werden. Häufig werden diese mit einer medikamentösen Chemotherapie ergänzt.

  • Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC):

Das hepatozelluläre Carcinom ist in den asiatischen Ländern ein sehr häufiger bösartiger Lebertumor. Die chirurgische Entfernung ist die einzige Behandlung mit Aussicht auf definitive Heilung. Da der Leberzellkrebs häufig aus einer vorgeschädigten Leber (chronische Hepatitis, Alkoholzirrhose) entsteht, ist eine Leber-Teilentfernung nur noch in ausgewählten Fällen möglich. Häufig werden hier andere Behandlungsverfahren angewendet wie beispielsweise eine Tumorablation, TACE oder eine medikamentöse Therapie. Eine Lebertransplantation kann unter Umständen eine Behandlungsalternative darstellen.

  • Gallengangskarzinom (Cholangiozelluläres Carcinom):

Das Gallengangskarzinom verursacht häufig kaum Symptome, weshalb eine Diagnosestellung meist erst in einem forgeschrittenen Stadium erfolgt. Dieser Tumor kann im Frühstadium meist mittels einer ausgedehnten Leber-Teilentfernung geheilt werden.