Divertikel des Dickdarmes (Divertikulose) & Divertikel Entzündung (Divertikulitis)

Divertikel sind Ausstülpungen des Dickdarms, die bei nahezu der Hälfte aller Personen über 50 Jahre als Zufallsbefund diagnostiziert werden. Sie treten insbesondere in bindegewebs- und muskelschwachen Abschnitten der Darmwand auf. Am häufigsten sind sie im S-Darm des Dickdarms (Sigma oder Colon sigmoideum) zu finden. Allerdings können sie auch auch im gesamten Dickdarm vorkommen, dieses Krankheitsbild nennt sich Divertikulose. Vermehren sich in diesen Ausstülpungen Darmbakterien, kann es einer Darmentzündung kommen, einer sogenannten Divertikulitis.

Unsere Erfahrung

Am Kantonsspital St.Gallen werden jährlich rund 1500 Eingriffe im Bereich der Kolorektal und Proktologischen Chirurgie vorgenommen. Dickdarmeingriffe infolge einer Divertikulose erfolgen mittels Schlüssellochtechnik. Das Kantonsspital St.Gallen verfügt in innovativen minimal invasiven Verfahren wie Hybrid-NOTES und Single-Port-Techniken (Reduced Port Surgery) über ausgezeichnete Expertise und internationales Renommee.

Zur Qualitätssicherstellung werden die Ergebnisse der Dick- und Mastdarmchirurgie am Kantonsspital St.Gallen durch unabhängige Fachleute erfasst und mit anderen Spitälern und Kliniken verglichen.

Diagnostik/Therapie

Diagnostik

Die Divertikulose wird über eine Darmspiegelung diagnostiziert, welche ambulant durchgeführt werden kann. Beim Verdacht auf eine Divertikulitis wird eine Computertomografie angeordnet. Dadurch kann eine unkomplizierte von einer komplizierten Divertikulitis abgegrenzt werden. Bei Patienten über 40 Jahre wird eine Dickdarmspieglung sechs Wochen nach Abheilung der Entzündung als Krebsvorsorge empfohlen.

Divertikel des Blinddarmes 
Abbildung: Darmspiegelung einer schweren Divertikulose mit vielen Ausstülpungen.

Divertikulitis 
Abbildung: Divertikulitis in der Computertomografie

Therapie

Unkomplizierte Divertikulitis

Eine Divertikulitis verläuft meist unkompliziert und kann ambulant mittels einer Antibiotika-Therapie durch den Hausarzt behandelt werden.

Komplizierte Divertikulitis

Bei einer komplizierten Divertikulitis erfolgt die Behandlung über die venöse Zufuhr von Antibiotika oder mittels einer vorübergehenden Nahrungskarenz. Je nach Schweregrad der komplizierten Divertikulitis werden Schläuche durch die Haut zur Ableitung des Eiterherdes gelegt (Drainage) oder es wird eine Operation diskutiert. Eine Operation ist unumgänglich, wenn der Darm in den Bauchraum platzt und daraus eine Bauchfellentzündung resultiert.

In diesem Fall wird in einer Notfalloperation der kranke Teil des Dickdarms entfernt und der gesunde Dickdarm an den Mastdarm genäht. Weil die Darmnaht zum Zeitpunkt einer starken Entzündung hergestellt wird, muss sie vorübergehend durch einen künstlichen Darmausgang (Stoma) geschützt werden.

In seltenen Fällen wird bei der Operation ausschliesslich der geplatzte Darm entfernt, ohne dass die beiden Darmteile danach verbunden werden. In diesem Fall wird ein definitiver künstlicher Darmausgang angelegt.

Notfalloperationen werden oft mit einem grossen Bauchschnitt durchgeführt. Dabei wird eine Drainage zur Ableitung der Wundflüssigkeit angelegt und ein Blasenkatheter gelegt.

Operative Behandlung im Regelfall

Generell wird eine Operation nach einer komplizierten Divertikulitis oder nach wiederholten Schüben einer unkomplizierten Divertikultitis empfohlen. Die geplante Operation erfolgt über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), was eine schnellere Erholung begünstigt. Bei einem geplanten Eingriff wird der erkrankte Teil des Dickdarms entfernt und der gesunde Teil an den Mastdarm angenäht. Im Regelfall ist kein künstlicher Darmausgang vorgesehen.

Vorerkrankungen und Voroperationen haben einen Einfluss auf die Operationsplanung. In der darauf spezialisierten Sprechstunde der Klinik für Chirurgie am Kantonsspital St.Gallen wird jeder Patient individuell beraten und die eventuell notwendige Operation detailliert besprochen.

Behandlungsverlauf

Eine Divertikulitis-Operation ist ein mittelgrosser Eingriff, weshalb die volle Erholung nach der Operation zwischen drei Wochen und drei Monaten dauern kann.

Nach einer geplanten Divertikultitis-Operation sind Wundschläuche (Drainagen) selten erforderlich und der Blasenkatheter wird innert wenigen Tagen entfernt. Der Spitalaufenthalt dauert in diesem Fall circa 5-8 Tage.

Nach einer Notfalloperation wird eine Drainage zur Ableitung der Wundflüssigkeit angelegt und ein Blasenkatheter gelegt. Am ersten Tag nach der Operation erhält der Patient flüssige Nahrung. Bereits 4-6 Tage danach kann er wieder normale Nahrung zu sich nehmen. Der Spitalaufenthalt dauert circa 10-14 Tage und ist abhängig von der Dauer der Erholung und vorbestehenden Erkrankungen.

Weitere Informationen

Divertikel treten insbesondere in bindegewebs- und muskelschwachen Abschnitten der Darmwand auf und am häufigsten im S-Darm des Dickdarms (Sigma oder Colon sigmoideum). Den meisten Patienten bereiten die Divertikel keine Beschwerden. Begünstigende Faktoren für die Entstehung von Divertikeln sind eine faserarme Nahrung und chronische Verstopfungen, wobei es durch den chronischen Überdruck im Darm zu den Schleimhautausstülpungen kommt. Die vorhandenen Divertikel bilden sich nicht zurück.

Kommen die Divertikel im gesamten Dickdarm vor, nennt sich dieses Krankheitsbild Divertikulose. Solange die Divertikulose zu keinen Beschwerden führt ist keine Therapie erforderlich. Vermehren sich in diesen Ausstülpungen Darmbakterien, kann es einer Darmentzündung kommen, einer sogenannten Divertikulitis. Dieser Verlauf ist nicht voraussehbar. Bei einer Divertikulitis treten Fieber, Bauchschmerzen und Unwohlsein auf.

Die Folgen einer Divertikulitis können Engstellen im betroffenen Darmteil sein, oder über Jahre wiederkehrende Entzündungsschübe. Meistens ist der Verlauf der Krankheit jedoch harmlos.

Komplizierte Divertikulitis

In seltenen Fällen kommt es zu einer komplizierten Divertikulitis. Dabei kann es zu einer abgekapselten Eiteransammlung (Abszess) oder zum Aufplatzen des Darmes in den Bauchraum (Darmperforation) kommen.

Dabei kann sich die Entzündung einen Weg in andere Organe bahnen, wobei eine Verbindung zwischen Darm und Harnblase bzw. Scheide entsteht (Fistel). In der Folge kann es zu wiederkehrenden Blasenentzündungen, zum Austritt von Luft beim Wasserlösen oder von stuhl-ähnlichem Sekret aus der Scheide kommen.