Brusterhaltende Operation

Wann und wie kann brusterhaltend operiert werden?

Bei der brusterhaltenden Operation bleibt das gesunde Gewebe erhalten; es wird auch das spätere Aussehen der Brust berücksichtigt.

Eine brusterhaltende Operation ist möglich

  • wenn der Tumor der Brust mit einem ausreichenden Rand aus gesundem Gewebe (Sicherheitsabstand) entfernt werden kann
  • und damit ein akzeptables kosmetisches Ergebnis erreicht wird.

Solche Voraussetzungen sind beim duktalen In situ-Karzinom (DCIS), einer Vorstufe von Brustkrebs, manchmal schwieriger zu erfüllen als beim invasiven Karzinom.

Was machen die Ärzte bei brusterhaltender Operation?

Die Operateure schneiden lediglich das veränderte Tumorgewebe mit einem schmalen Randsaum an gesundem Gewebe aus der Brust: Das gesunde Drüsengewebe, die Haut sowie die Brustwarze samt Warzenhof werden nach Möglichkeit erhalten. Der sogenannte Resektionsrand (Randsaum) schafft einen ausreichend breiten Sicherheitsabstand zwischen dem Tumor und dem umliegenden Drüsengewebe und stellt sicher, dass auch wirklich alle Tumorzellen aus der Brust entnommen wurden.

  • Bei der Schnittführung nehmen die Operateure auch Rücksicht auf das spätere Aussehen der Brust, soweit dies medizinisch vertretbar ist.
  • Bei nicht tastbaren Tumoren, die nur in der Mammographie sichtbar waren, oder auch nach einer neoadjuvanten Therapie (vorgeschaltete Chemotherapie) wird sorgfältig überwacht, ob der richtige Bereich entfernt wurde. Die Operateure orientieren sich dazu an den letzten Bildbefunden und markieren den Tumor vor der Operation mithilfe von Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen meistens mit einem Draht. Während der Operation wird geprüft, ob der Tumor entfernt wurde: Dabei wird das Gewebe noch während der Narkose untersucht, entweder im Labor der Pathologie (Schnellschnitt) oder mittels Ultraschall oder Röntgendurchleuchtung.
  • Nach dem Eingriff wird das Gewebe im Institut für Pathologie genauestens untersucht um sicher zu gehen, dass alle Zellveränderungen mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand entfernt wurden. Das Ergebnis wird nach einer Besprechung aller Details im sogenannten Tumorboard der Patientin mitgeteilt, in der Regel innert weniger Tage.
  • Eine Zweitoperation kann leider notwendig sein, wenn Tumorzellen, die während der Operation nicht immer feststellbar sind, zurückbleiben. Bei uns im Brustzentrum St.Gallen liegt der Wert der Zweitoperationen bei ca. 7% aller Operationen, was ein internationaler Spitzenwert ist.

Sicherheit, Vor- und Nachteile der brusterhaltenden Therapie

Grosse Studien haben gezeigt, dass die brusterhaltende Operation zusammen mit der Bestrahlung bezüglich der Lebenserwartung keinen Nachteil für Brustkrebspatientinnen hat: Frauen mit brusterhaltender Operation leben nach der Therapie genauso lang wie Frauen nach einer Amputation der Brust.

Vorteile gegenüber der Mastektomie

  • Erhalt der Brust, d.h. bessere Lebensqualität
  • weniger belastender Eingriff
  • kleinere OP-Narbe
  • geringerer Wundschmerz
  • deutlich früherer Austritt aus dem Spital

Nachteile gegenüber der Mastektomie 

  • Risiko für Brustveränderungen durch Narben, Dellen oder Verhärtungen
  • Risiko, dass nicht alle Tumorzellen entfernt werden und eine Nachoperation notwendig wird
  • Die Brust muss nach Operation fast immer bestrahlt werden.

Gründe, die gegen eine brusterhaltende Operation sprechen

  • Grösse und/oder Lage des Tumors erlauben keine sichere Entfernung zum gesunden Gewebe.
  • Es liegt ein sogenanntes inflammatorisches Mammakarzinom vor, bei dem die Brust entzündet aussieht.
  • Eine Nachbestrahlung ist nicht möglich oder wird von der Patientin nicht gewünscht.
  • Auch nach wiederholter Nachoperation konnte der Tumor nicht vollständig entfernt werden.
     

Onkoplastische Brustoperation

Als Onkoplastik bezeichnet man eine Kombination aus Krebschirurgie und Plastischer Chirurgie bei Patientinnen mit Brustkrebs. Wir kombinieren dabei die Entfernung eines Brusttumors mit einer ästhetischen Operation. Diese ästhetischen Operationen reichen von kleinen Verschiebelappenplastiken bis zu größeren Reduktionsplastiken zur Brustverkleinerung oder Bruststraffung. Da es viele verschiedene Arten der Brustreduktion gibt, werden auch bei dieser Form der onkoplastischen Operation verschiedene Techniken angewendet. Entscheidend ist, dass der Chirurg die geeignete Ausbildung und Erfahrung besitzt. 

Vor- und Nachteile der onkoplastischen Chirurgie

Vorteile:

  • Möglichkeit, mehr Gewebe um den Tumor bei besserem kosmetischem Ergebnis zu entfernen
  • Eventuell eine etwas verringerte Rückfallrate im späteren Verlauf
  • Bruststraffung oder Brustreduktion im gleichen Eingriff

Nachteile:

  • Grösserer operativer und organisatorischer Aufwand
  • Etwas erhöhtes Komplikationsrisiko
  • Öfter Notwendigkeit einer Anpassungsoperation der gesunden anderen Brust